Nicolas Sarkozy hatte bei seinem Amtsantritt versprochen, die unübersichtliche Lage zu vereinheitlichen. Der Präsident, der den Franzosen zugerufen hatte, sie sollten „mehr arbeiten, um mehr zu verdienen“, setzte sich für die Freigabe der Sonntagsarbeit ein – und stieß damit auf breiten Widerstand. Nicht nur die linke Opposition und die Gewerkschaften waren gegen die „Entscheidung für eine Gesellschaftsform“, in der sonntags gearbeitet wird. Auch christlich-konservative Abgeordnete und Familienpolitiker sehen den Liberalisierungsversuch mit großer Skepsis.
Nächsten Dienstag soll das Gesetz den Senat passieren. Damit wäre eine Sarkozy-Reform verabschiedet, die nicht mehr so recht in die Zeit und auch nicht mehr zum Präsidenten in seiner aktuellen Version zu passen scheint: Die Reform der Sonntagsarbeit war ein Projekt von Sarkozy 1.0 – jenem Präsidenten, der mit französischen Gewohnheiten brechen wollte und den manche Franzosen deshalb im Verdacht hatten, ein neoliberaler „Amerikaner“ zu sein. Dieser Sarkozy hat sich jedoch im Zuge der Krise einem ideologischen Update unterzogen. Sarkozy 2.0 will nicht mehr liberalisieren, sondern regulieren.
Bei der Sonntagsarbeit jedoch lässt er seine Parteifreunde weiterhin argumentieren, die Liberalisierung sei notwendig, sie beende bloß einen semi-legalen Zustand der „Scheinheiligkeit“, in dem manche arbeiten dürften und andere nicht. Außerdem antworte das Gesetz in einer globalisierten Welt auf die „Erfordernisse der Tourismusindustrie“ – ohne die Frankreich nicht aus der Krise hinausfinden könne.
